Na immerhin!

Nachdem bereits vor einigen Tagen durchsickerte, dass Schalke 04 grünes Licht der dortigen Behörden bekam, sein Stadion zu einem Drittel auslasten zu können, überrascht es jetzt wenig, dass auch anderswo im Lande nach dieser Quote verfahren wird.

Knapp 10 000 Fans dürfen also zum Saisonauftakt am Millerntor dabei sein. Verglichen mit den Fast-Geisterspielen mit etwa 2000 Leuten, von denen es ja letzte Spielzeit ein paar gab, ehe wieder die Null-Lösung griff, ein ganz gewaltiger Fortschritt.

Hätte es diesen gesteuerten Fussball-Boom mitsamt dessen Auswüchsen nie gegeben, so wäre das in etwa der reguläre Zuschauerschnitt hier nach zehn Jahren Zweitklassigkeit.

Erinnert sich noch jemand an die Spielzeit 92/93? Miese Ergebnisse, lausiges Gebolze - eine sportliche Bruchlandung nach Jahren des Höhenflugs. Da klafften plötzlich Löcher im Pulk in der Nordkurve, waren oftmals auch nur gut 10000 Menschen auf den Rängen, war das Stadion nur zur Hälfte gefüllt.

Insgeheim träume ich ja seit vielen Jahren von einem generellen Niedergang des Volkssports Nummer eins, wie immer der sich auch genau darstellt. Pandemien sind natürlich ein probates Mittel, um diesen von monetären Interessen degenerierten Zirkus zu erden. Allerdings schränken sie die eigene Bewegungsfreiheit zu sehr ein.

Von Wimbledon 1985 bis Anfang der 90er haben Boris Becker, Steffi Graf und diverse Stadionkatastrophen dafür gesorgt, dass sich die Begeisterung für damals zudem oft recht biederes Gebuffe in tristen Leichtathletik-Schüsseln in erfreulich engem Rahmen hielt. Tennis können wir aber von der Liste streichen, denn selbst dann, wenn dieser Filzball-Schnösel Alexander Zverev in seiner Karriere noch fünf bis zehn Grand Slam-Turniere gewinnen sollte, wird er dafür nicht ein Zehntel der Aufmerksamkeit bekommen, die "Bumm Bumm-Boris" widerfuhr. Handball, Eishockey, Wintersport... alles nur Strohfeuer, die dem gewohnten Fussballgeschäft niemals gefährlich werden können.

Das Einzige, das sich anbietet, irritiert mich zutiefst, weil es sich noch perfider anfühlt: E-Sport.

Nun sind wir ja auch alle mit elektronischem Gedaddel aufgewachsen: C-64, Amiga 500 und irgendwann auch Playstation 1. Es ist also nicht so, dass mir die Faszination des digitalen Spielens fremd wäre, doch offenbar verselbständigt sich mittlerweile diese Sparte in einer Weise, die mich gehörig verstört.

Beim Stöbern unter dem Suchbegriff "Schalke", um sich nochmal wegen der Zuschauerregelung in Gelsenkirchen zu vergewissern, stieß ich auf folgenden Bericht:

https://www.golem.de/news/e-sport-schalke-04-mit-notverkauf-von-league-of-legends-2107-157805.html