So, Freunde... Derbywoche!
Wir bleiben optimistisch und streifen das Pech der letzten Tage ab, um unbeschwert ins Stadtduell zu gehen:
Die gemeinen Spieltagebücher des João Marinho Neto
Sonntag, 21.12.25
Mainz - FCSP 0:0
Abstiegsangst, Abstiegskampf. Da Weihnachten vor der Tür steht und wir alle selig sind, ziehen wir nur Positives aus diesem Deathmatch. Auswärtspunkt geholt, Mainz auf Abstand gehalten, keinen Schuss aufs Tor zugelassen, das erste Mal ohne Gegentor seit dem Derbysieg am 2. Spieltag (und das ohne Smith und Kaars im Einsatz), in der Tabelle 1 Platz rauf, seit 4 Pflichtspielen ungeschlagen. Ist das nichts? Also!
Halbvoll war das Glas auch in der Bar, die ich zum Spielgucken auserkoren hatte. Das Bild war da (jedenfalls mit ein paar Minuten Verzögerung), der Ton nicht. Technical Problems. So bekamen wir leider nicht mit, dass der Gästeanhang mal wieder exzellent abgeliefert haben soll. Aber irgendwas ist ja immer.
Nun überwintern wir auf Platz 16. Gemäß dem Motto „The Trend is your friend“ werden wir uns im neuen Jahr step by step weiter nach oben arbeiten. Warum? Darum!
Mittwoch, 14.01.26
Wolfsburg - FCSP 2:1
So: Schluss mit dem Lamentieren. Jammern ist was für Loser. Und wir sind keine Loser. Wahre Größe zeigt sich in der Niederlage. Hinfallen ist keine Schande, nicht wieder aufzustehen sehr wohl. Aus Fehlern kann man lernen und gestärkt daraus hervorgehen. Alles nur Kalendersprüche aus dem Ratgeber-Bingo? Vielleicht. Aber macht sie das unwahr?
Ich habe auch keine Lust, mich über den lächerlichen Elfmeter aufzuregen, über das fehlende Quentchen Fortune im Abschluss und wenige Fehler, die stets böse bestraft werden, statt dass sie mal ohne Folgen bleiben. Über die wieder mal viel zu lange Verletztenliste. Off you go.
Die Gesamt-Leistung stimmte, wir waren auf Augenhöhe mit einem Gegner, dessen Kaderwert vier Mal so hoch ist. Und das in deren Stadion. Wir haben alles noch selbst in der Hand und wir werden die nötigen Punkte holen, inshallah!
Sonnabend, 18.01.26
Dortmund - FCSP 3:2
Da hatte ich mir fest vorgenommen, das Jammern und Lamentieren zu lassen. Aber wenn ein Spiel die perfekte Vorlage dafür liefert, ist es schwer, seine Vorsätze durchzuziehen. Am besten bringen wir es gleich hinter uns. Sowohl das Spiel in Wolfsburg als auch dieses lieferten mal wieder einmal zwei Gründe, warum der VAR abgeschafft werden sollte. Inzwischen ist die Liste ewig lang und ich frage mich, wann die Verantwortlichen endlich das einsehen, was die allermeisten Fans längst wissen.
Fußball hat Regeln. Die Einhaltung dieser Regeln hat Gründe. Die Handspiel-Regel soll dafür sorgen, dass die Spieler den Ball nicht in die Hand nehmen oder die Hand / den Arm nicht benutzen, um den Ball vorsätzlich zum eigenen Vorteil zu bewegen. Wenn nun aber ein Spieler aus kurzer Distanz angeballert wird, er noch versucht, sich wegzudrehen und im Grund keine Chance hat, das Handspiel zu verhindern, dann hat das mit der ursprünglichen und sinnvollen Regel nur noch herzlich wenig zu tun.
Ähnlich die Sache mit dem Foul von Jones. Die ursprüngliche Strafstoß-Regel wurde aufgestellt, damit Abwehrspieler den Angreifer kurz vor dem eigenen Tor nicht einfach foulen, um einen Treffer zu verhindern. In der Dortmunder Situation war es aber so, dass der BVB-Spieler nicht mal auf dem Weg zum Gehäuse war, sondern in die entgegengesetzte Richtung. Zudem fand die Situation an der Ecke statt, also an dem Ort des Strafraums, der am weitesten vom Tor entfernt ist. Und dann reden wir hier von ein paar Zentimetern, die noch auf der Linie (und damit innerhalb) stattgefunden haben sollen. Das ist so, als wenn es die Vorschrift gibt, dass eine Hecke genau 2 Meter hoch sein muss, der Gärtner sie aber 1,99 m geschnitten hat und dafür bestraft wird. Die Hecke erfüllt komplett ihren Zweck, aber Vorschrift ist Vorschrift. Das ist lebensfern, genau wie diese VAR-Regelauslegungen fußballfern sind.
Mario hat es in seinem Kommentar zum Millernton-Spielbericht auf den Punkt gebracht:
„Selbst wenn die gut ausgebildeten Video-Sachverständigen da den Fuß von RJJ in auf einer Töpferscheibe mit Ton nachbilden würden, würde ich dabei bleiben, dass Millimeter-Entscheidungen, die ich mit dem bloßen Auge nicht wahrnehmen kann, dann auch irgendwann zu irrelevant werden, um die Entscheidung auf den Platz zu überbügeln.“
So, und da ich nicht mehr jammern will, überlasse ich das mal Tim/Millernton, der die Gefühlslage wie folgt zusammenfasst:
„Was für eine riesengroße Scheiße dieses Gegentor gewesen ist! Da spielst du als FC St. Pauli eine echt gute erste Halbzeit in Dortmund, lässt wenige Gelegenheiten zu, hast auch selbst einige gute Offensivaktionen, gewinnst 61 Prozent deiner Zweikämpfe – und dann lässt eine einzige Situation in der Nachspielzeit der ersten 45 Minuten, das ganze Vorhaben in sich zusammenfallen.
Das Endergebnis ist scheiße und es ist einfach frustrierend, dass es für diese Leistung am Ende keine Punkte gab. Aber dieser Moment nach dem 2:2, der Jubel, die Freude, das kurze Gefühl des maximalen Glücks das nur der Fußball erzeugen kann… den kann uns niemand mehr nehmen.“
Genau sieht es aus und um das noch mal zu beschreiben, was da eigentlich passiert ist, komme ich auf die 54. Minute des Spiels zurück. Der BVB trifft zum 2:0. Wie stehen die Chancen? Die Situation sieht wie folgt aus:
- Es ist ein Auswärtsspiel
- Der Kaderwert des BVB ist 8-mal so hoch
- St. Pauli muss auf viele verletzte Spieler verzichten
- Der BVB ist fast komplett, Leute wie Guirassy sitzen auf der Bank
- St. Pauli hatte bisher die schwächste Offensive
- Der BVB hat die zweitbeste Defensive der Liga
- Der BVB hat in allen Heimspielen zusammen bisher ganze 4 Gegentore kassiert
Wir waren nicht nur mausetot, sondern post mortem noch zerdrückt, zerstückelt und geschreddert.
Und trotzdem schafft unser Team das Unmögliche: Es kommt zurück, gleicht aus und hat sogar die Chance auf den Siegtreffer. In diesem Augenblick war mir klar: Egal, wie das Spiel am Ende ausgeht, du bist gerade Zeuge von etwas Großem. Etwas, worauf man stolz sein kann. Etwas, das viel mehr wert ist als geschenkte VAR-Elfmeter. Nur: Wenn dann die Nachspielzeit läuft, alles wegverteidigt wird und dieses Große sich dann tatsächlich auch in einem Auswärtspunkt niederschlagen könnte, dann ist dieser Strafstoß in der allerletzten Minute doch brutal.
Aber so ist das im Leben. Große Taten werden nicht immer belohnt. Es gibt kein Happy End. Sie sind aber da und für mich zählt das. Wir spielen in der 1. Liga und schaffen auswärts bei einem der stärksten Teams so ein Comeback. Dafür sind wir aufgestiegen. Um zu zeigen, dass wir uns vor nichts und niemandem verstecken müssen. Selbst wenn wir absteigen sollten (was ich nicht glaube), so bleibt dies in Stein gemeißelt. „Hold your head up high“ ist vielleicht nur eine Textzeile eines inzwischen völlig ausgelutschten Fußballsongs, sollte aber die eigentliche Konsequenz dieses denkwürdigen Nachmittags im Ruhrgebiet sein. In der Tabelle des Ergebnissports Fußball mag dafür kein Platz sein, in unseren Herzen aber schon. Und das ist so viel wertvoller.













