Die gemeinen Spieltagebücher des João Marinho Neto
Dienstag, 27.01.26
FCSP – RB Leipzig 1:1
Nachholspiele auf einem Dienstag gegen ein als Sportverein getarntes Reklameobjekt bei Temperaturen um den Gefrierpunkt rangieren in der Beliebtheitsskala des durchschnittlichen FCSP-Fans irgendwo zwischen Darmspiegelung und Wurzelbehandlung. So war es nicht verwunderlich, dass nicht alle Plätze verkauft wurden - der Gästeblock wurde auf das kleinste Maß zurechtgerückt, so dass zusätzliche Tickets für die Nordtribüne in den Verkauf gingen - und wohl auch so einige No Shows für etwas aufgelockerteres Stehen als üblich sorgten. Offenbar lagen die Tickets wie Blei im Zweitmarkt-Onlineregal. Naja, möge jedenfalls in Zukunft bitte keiner mehr jammern, dass man nie eine Chance hätte, an Tickets zu kommen.
Hinzu kamen - oder kamen eben nicht - einige krankheitsbedingte Ausfälle, durch die unsere Reihen etwas gelichtet waren. Das Tiefkühl-Derby und der Winter generell forderten ihren Tribut. Heute war’s nicht ganz so frostig, Heizsohlen und ein halbes Dutzend Zwiebelschichten waren gleichwohl ein Must Have.
Der heutige Holocaust-Gedenktag wurde, wie ich finde, würdig begangen. Die hervorragenden Beiträge bei der Kranzniederlegung brachen wieder bewusst mit den ritualisierten Gedenkveranstaltungen anderswo. Ähnlich die Videos vom Verein außerhalb konventioneller Erzählmuster. Und natürlich gab es eine große Choreo vor dem Spiel. Solche Veranstaltungen dürfen nicht zur Routine werden und ich finde, Verein und Fanszene setzen diese Maßgabe jedes Jahr lobenswert um.
Zur Routine werden in diesen Berichten die Kaderwert-Vergleiche. Heute hatten wir es mit einer Mannschaft zu tun, für die man mehr als das sechsfache als für die des Millerntor-Teams hinblättern müsste, wenn man sie käuflich erwerben wollte. Warum das hier immer wieder erwähnt wird? Damit nicht in Vergessenheit gerät, wie unfair der Bundesligafußball ist. Wenn man es beim Gegner mit Unterschiedsspielern zu tun hat, die den besagten Unterschied halt ausmachen, oder ausmachen können. Wenn ein Diomande (Marktwert 45 Millionen Euro) ihn trocken reinzimmert, während Jones (Marktwert 0,9 Millionen Euro) mehrfach frei vorm Torwart scheitert. Damit wir einordnen können, was da unten auf dem Rasen passiert. Und heute passierte da so einiges mehr als beim Derby, qualitativ und quantitativ. Es war ein ansehnlicher Kick und die Boys in Brown mindestens ebenbürtig. Allein das sollte schon als Erfolg angesehen werden.
Und so war auch die Stimmung im Eck trotz des enormen Brisanz-Gefälles deutlich besser als beim Derby. In der Halbzeit dann wieder die politischen Beiträge samt Rojava-Choreo zu Beginn des zweiten Durchgangs. Unterm Strich war das ein gelungener Abend, auch wenn Fußballspiele im tiefsten Winter ärztlich verboten gehören.













