Die letzten beiden Matches und Impressionen vom israelischen Fußball. Unser betagtester Mitstreiter (aber mitnichten der Gesichtsälteste!) hat abermals etwas zu (Digital-)Papier gebracht:
Die gemeinen Spieltagebücher des João Marinho Neto
Sonnabend, 14.02.26
Leverkusen - FCSP 4:0
Pah, was soll ich schreiben? Während des Spiels chillte ich 2.500 Kilometer entfernt im 45 Grad warmen Quellwasser. Zwischendurch mal aufs Handy geguckt, ah ja, 0:2 nach ner Viertelstunde, das wars dann ja auch schon wieder. Scheiß drauf! Davon lass ich mir den Tag sicher nicht versauen. Mach dir ne schöne Zeit, erlebe und entdecke ganz viel. Du kannst es eh nicht beeinflussen, schon gar nicht hier. Wir konzentrieren uns jetzt auf Werder und holen die nötigen Punkte, inshalla!
Doch dann hob sich die Laune natürlich:
Sonntag, 22.02.26
FCSP - Werder Bremen 2:1
„Derby of Love“? Gab wohl schon mal ein geeigneteres Setting als Dauernieselregen und zwei Teams, die dem jeweiligen Gegner heute unbedingt die überlebenswichtigen Punkte abjagen wollten. Nein, mussten.
Zu unserer Überraschung stand da bereits seit kurz nach Toreöffnung eine Gruppe sehr junger Leute direkt auf Teilen unserer Plätze. Das nächste Mal legen wir da unsere Handtücher hin, haha. Ob die vom Abendblatt geschickt wurden, um mal zu testen, wie tolerant wir sind, wissen wir nicht. Aber wir sind ja nett und klar konnten die da stehen. Allerdings sei angemerkt: Wenn man sich mit 12-15 Leuten auf einmal irgendwo neu hinstellen will, dann würde ich eher einen Bereich des Stadions empfehlen, der nicht bereits 1,5-2 Stunden vor dem Spiel ohnehin schon knackevoll ist.
Whatever, irgendwie sortierte bzw. quetschte es sich da schon zurecht und man harrte der Dinge, die da auf dem Rasen kommen würden. Erwartet wurde ein Gruselkick erster Kajüte, und der kam im ersten Durchgang dann auch. Nicht so statisch wie das Derby, aber Kampf und Krampf, Not gegen Elend.
Eine Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit, der nach tagelangem Nonstop-Regen glitschige Rasen und ein erfolgreicher Torschuss durch Fujita sorgten für die so unfassbar wichtigen Punkte. So nämlich! Wir tauschen mit den Bremern die Plätze und halten Anschluss nach oben. Durchschnaufen!
Die Stimmung bei Werder war nach Abpfiff naturgemäß eine andere. Die Spieler wollten in Richtung Auswärtsblock gehen, doch die Fans waren so auf Zinne, dass sie lieber umkehrten. Beim Weg in die Kabine wurden sie dann doch mit aufmunterndem Applaus verabschiedet – von den FCSP-Fans.
Fazit: Wenn ich sage, wir packen das, dann packen wir das!
Freitag, 13.02.26
Hapoel Tel Aviv - Hapoel Jerusalem 3:1
Eine Woche Israel, weder Hopping noch Polit-Reise, einfach nur ein Besuch bei langjährigen Freunden. Diese sind große FCSP-Sympathisanten und natürlich haben wir Fussi gucken ins Programm genommen, auch wenn’s nicht der Anlass des Trips war. Aber wenn man schon mal da ist… Die Entscheidung fiel auf Heimspiele von Hapoel Tel Aviv und Maccabi Haifa.
Tel-Aviv. Man wird förmlich erschlagen von den zahllosen Hochhäusern und hypermodernen Wolkenkratern, viele erst in den letzten zehn Jahren erbaut. Die Stadt wirkt teilweise wie eine Mischung aus Manhattan und Hongkong. Nicht immer schön, aber platzsparend in einem Land, das - die unbewohnbaren Wüstenflächen mal abgezogen - deutlich kleiner ist als Schleswig-Holstein, aber die dreifache Bevölkerungszahl hat.
So, nun aber Schluss mit dem langweiligen Sightseeing-Gesabbel, ab zum Fußball! Per pedes ging’s zum Bloomfield-Stadion, das Hapoel gemeinsam mit seinem Rivalen Maccabi nutzt. Es fasst 29.400 Plätze, also fast genauso viele wie das Millerntor. Zumindest die beiden Längstribünen sind aber wesentlich höher und steiler, dafür ist es komplett versitzplatzt. Es wurde 2017-2019 umfangreich umgebaut und erweitert. Bei der Eingangskontrolle wurde man zwar kurz mit dem Scanner a la Airport in Hüfthöhe abgesucht (was am vielen Orten wie Bahnhöfen oder Einkaufszentren üblich ist), aber null abgetastet. Also bis auf ne Knarre kannste alles reinschmuggeln. Beim Anblick der mit Maschinenpistolen herumlaufenden Ordner denkt man allerdings noch mal darüber nach.
Freitagsspiele sind selten in der ha´Al, der 1. Israelischen Liga, das war also was Besonderes heute. Kick-off war um 14.00 Uhr und damit noch rechtzeitig vor Beginn des Shabbat beendet. Am späten Freitagnachmittag machen viele Läden zu, geöffnet wird dann erst wieder am Sonnabend nach Sonnenuntergang für ein paar Stunden. Der Sonntag ist dann der erste Arbeitstag der neuen Woche. Wobei es Städte gibt, in denen das eher lax gehandhabt wird, und andere, wo wirklich alles dicht ist. Samstagabend finden dann auch die meisten Spiele statt.
Jedenfalls nahmen wir auf der Haupttribüne in der Nähe des Gästeblocks Platz. Kurz vor dem Anstoß wurden auf der Anzeigetafel Bilder von Hapoel-Fans gezeigt, die am 07. Oktober ermordet wurden, und auch ihre Namen vorgelesen. Ziemlich viele… Alle Zuschauer standen auf und applaudierten. Das wird vor jedem Heimspiel so gemacht. Durchaus bedrückend.
Aus Jerusalem waren rund 800 Leute gekommen, die gut dagegenhielten. Die Heimkurve hat nämlich ganz schön Dampf gemacht und teilweise stiegen auch die anderen Traversen mit ein. Und das bei 27 Grad im Schatten. Winter in Nahost, meanwhile Hamburg minus fünf. Man schwitzte im Sitzen und flehte: Jetzt ein kühles Bier… leider gab’s nur Softdrinks, Eiscreme und Popcorn. So´n typisches Cinemax-Catering. Egal, wir sind schließlich nicht zum Vergnügen hier. Das dachte auch der Tabellenzwölfte Jerusalem, der sich mit seinem 4-4-2 komplett einigelte und auf Umschaltmomente hoffte. Klappte nur semi, zur Halbzeit stands 2:0. Beide Tore von Stav Turiel, dass ich auf den achten sollte, wurde mir bereits beim Einlauf gesagt. Sehr agil, kommt immer über rechts außen.
Die Gäste mussten also was tun, um etwas Zählbares auf ihre Rück-Reise nach Jerusalem (haha) mitzunehmen. Und das taten sie auch, das Spiel wurde besser und der Anschlusstreffer in der 70. Minute war nicht unverdient. Doch HTA, zurzeit auf Platz 3 in der Tabelle, machte in der 88. Minute den Sack zu und die Partie war entschieden. Es war vor allem im zweiten Durchgang ein ansehnlicher Fußball, der sich im Grundsatz gar nicht so sehr von unserem unterscheidet. Allerdings haben die Ballführenden deutlich mehr Platz und Zeit als in der 1. Bundesliga.
Sonntag, 15.02.26
Maccabi Haifa - Bnei Sachnin 4:0
Zwei Tage später, diesmal zur Abendzeit, stand die andere Partie an. Das Sami Ofer Stadium ist ebenfalls ziemlich modern und fasst 31.000 Zuschauer. Es liegt ganz im Westen der Stadt, quasi auf der anderen Seite des Stadtbergs. Eingebettet in eine ätzende Gegend voller Gewerbe und Malls. Und da der Sonntag ein normaler Arbeitstag ist, war auch noch mega viel Verkehr, zusätzlich zu den Stadionbesucher*innen. Aber: Der Ground steht nur 400 Meter vom Strand entfernt. Yeah! Dort hingen wir vor dem Spiel ab und schlürften ein bisschen Bira.
Wir hatten Sahneplätze und konnten alles sehr gut sehen. 22.400 Menschen waren heute hier, um die Partie des Fünften gegen den Siebten zu sehen. Aus Sachnin waren knapp 300 Fans angereist. Der Heimkurven-Support war okay, aber bei Hapoel Tel Aviv vor zwei Tagen war mehr Wumms hinter. Die Gästespieler versteckten sich nicht so wie vor zwei Tagen Jerusalem, aber am Ende gab es einen deutlichen Heimsieg. Das Spiel war aber nicht so einseitig, wie das Ergebnis aussah. Sehr unterhaltsam.
















