Also, mal im Vertrauen...

... ich sehe nicht, wie das noch alles hinhauen soll mit dem Klassenverbleib. Nun bin ich aber auch zeitlebens mit einem gewissen Grundpessimismus gestraft, der wenigstens den Vorteil birgt, später weniger enttäuscht zu sein. Jeder Mensch hat ja so seine Strategie, um im Falle von Rückschlägen einigermaßen gefeit zu sein.

Diese extrem zähe Saison neigt sich nun erfreulicherweise dem Ende entgegen, doch wir machen natürlich auch beim letzten Heimspiel unser Pensum. Es sind bereits wieder diverse neue Teile in Sachen Klebepropaganda im Laden erhältlich, denn wir waren heute fleißig portionieren...

Es muss ja weitergehen. Meint auch der Tagebuchautor:

 

Die gemeinen Spieltagebücher des João Marinho Neto 

 

Sonnabend, 09.05.26

 

Leipzig - FCSP 2:1

 

Rumms, Letzter. Ja, es ist niederschmetternd. Die Rote Laterne von einem Verein in die Hand gedrückt zu bekommen, der eigentlich schon sicher abgestiegen war.

 

Spielbericht? Werde ich nicht liefern, nicht mal, wenn ich´s geguckt hätte. Man muss sich schützen vor Einflüssen, die einem die Laune verderben. Mir ist es eben nicht egal, was mit meinem Verein passiert, deshalb an diesem Nachmittag nur Toralarm auf dem Handy, während ich mit dem Nachwuchs auf Tour war. Park, Eiscreme, gutes Wetter. Respekt, wer sich da mitten am Tag bin eine stickige Bar setzt, um sich 90 Minuten lang psychisch foltern zu lassen. Oder gar die Fahrt nach Leipzig auf sich nimmt. Ich Weichei war dazu heute einfach nicht in der Lage, zu groß war die Wahrscheinlichkeit, dass es so ausgeht, wie es dann auch ausgegangen ist.

 

Apropos Wahrscheinlichkeiten. Eine ungünstige Ausgangslage vor dem letzten Spieltag, um überhaupt den Relegationsrang zu erreichen. Wenn wir wenigstens einen popeligen Punkt mehr hätten. Klar denkt man da an die vielen Spiele zurück, wo uns aus Pech und Blödheit oder weil der 60-Millionen-Stürmer des Gegners dann doch noch knipst - immer wieder Punkte durch die Lappen gegangen sind (wir erinnern uns: „Das ist jetzt ganz bitter für den FC St. Pauli!“).

 

Dass wir gegen Wolfsburg gewinnen, die gegen den Branchenführer einen xG von über 3 herausgespielt haben, liegt schon bei nur 30 %. Parallel darf Heidenheim nicht gewinnen – die spielen zu Hause und sind gerade richtig in Fahrt. Chance 20 % auf deren Niederlage oder Remis. Keine Ahnung, wie man das jetzt verrechnet. Stochastik ist eine Wissenschaft für sich, Mathe LK lange her. Und wenn wir das trotzdem schaffen, wäre dann ja auch noch die Relegation. Puh.

 

Da halte ich es lieber mit Han Solo: „Sag mir nie, wie meine Chancen stehen!“ Aufgeben ist keine Option, also ab durchs Asteroidenfeld. Der Kampf geht weiter, so lange auch nur der Hauch einer Chance besteht. Auf geht´s, hoch die Fäuste.