Körperfunktionen

 

Wissenschafts-Kolumne von Witte

Teil 1 | 2 | 3 | 4.1 | 4.2 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13

Leonardo da Vinci  "Der vitruvianische Mensch"

Teil 5

Erstveröffentlichung in Kiezkieker #8 vom 05.11.2011

Wenn´s anfängt zu kribbeln, ist meist irgendwas im Busch. Es gibt zum Beispiel dieses Kribbeln im Bauch das man nie mehr vergisst, als ob da im Magen der Teufel los ist …was für eine Schnulze. Nicht verliebt sein, sondern Herzschmerz macht die Musik! Man stelle sich mal vor, Otis Redding hätte nie Liebes­kummer gehabt, musikalisch gesehen wären wir alle ein gutes Stück ärmer. Aber darauf will ich eigentlich gar nicht hinaus, es soll ja nicht um Klangkörper gehen.

 

Wenn es ein Stück weiter oben kribbelt und man gerade einen Tauchgang hinter sich hat, kann es heikel werden. So einen Dekompressionsunfall gönnt man je eigentlich dem ärgsten Feind nicht. Mit einem gewissen Gasüberschuss im Körper müssen wir alle von Zeit zu Zeit mal leben, klar, aber wenn die Blasen eben nicht durch eine der natürlichen Körperöffnungen abgelassen werden können sondern das Gewebe durchsetzen, erscheint eine handelsübliche Flatulenz doch wie ein Geschenk des Himmels. Weniger spektakulär, doch ebenfalls unangenehm ist es, wenn das besagte Kribbeln rund um den Mund einsetzt und erahnen lässt, dass man für die nächsten Tage mal wieder im Hotel Herpes einchecken wird. So etwas passiert natürlich vorzugsweise vor Rendezvous, Bewerbungsgesprächen oder anderen Situationen im Leben, in denen man auf einen Strauss Bläschen auf den Lippen gut verzichten kann. Also eigentlich allen. So lange diese Bläschen nur rund um die Fressleiste ihr Unwesen treiben, ist an und für sich noch alles in Butter, auch wenn es nicht gut ausschaut. Der Spaß kann prinzipiell nämlich in allen Körperregionen auftauchen, und wenn ich schreibe „alle“, dann meine ich das auch. Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist und sich gerne ein eigenes Bild vom herpes genitalis machen möchte, wird unter genanntem Suchbegriff auch im Netz fündig werden. Der Kenner aber greift zum Pschyrembel.

 

Dieses medizinische Nachschlagewerk erscheint alle Nase lang in neuen Auflagen, und ob es mittlerweile Farbbilder enthält, weiß ich gar nicht. Eine alte Ausgabe vom Flohmarkt tut´s in jedem Fall auch, eben weil der Illustrationsbestand so zeitlos klassisch ist. Das ist auf jeden Fall mal ein Erwachsenenbilderbuch nach meinem Geschmack. Auch reichlich Nackte, aber anders. Unterhaltsam und lehrreich, das gute Stück, somit eine optimale Toilettenlektüre. Wer dann beispielsweise mal genauer wissen will, was unten rum gerade so los ist, schlägt die peristaltische Welle nach. Wer hsv nachschlägt, stößt auf den herpes simplex virus. Wenn das nichts ist.